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Ist von der Grenze die Rede, stellen sich die meisten Menschen noch immer eine Linie auf der Landkarte vor. Für uns, die wir im deutsch-tschechischen Grenzgebiet leben, bedeutet die Grenze jedoch schon lange etwas Anderes: ein Raum für Begegnungen, neue Ideen und gemeinsame Geschichten. Genau in diesem Sinne fand am 22.–23. April 2026 in Staré Sedliště (Alt Zedlisch) ein gemeinsames Kick-off-Treffen alter und neuer Enthusiasten des vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds organisierten Programms „Ein Jahr an der Grenze“ statt.

In das sanierte Gebäude des örtlichen Pfarrhauses kamen Menschen aus verschiedenen Ecken der deutsch-tschechischen Grenzregion – jeder mit anderen Erfahrungen, anderen Interessen und anderen Vorstellungen davon, wie man das Leben auf beiden Seiten der Grenze vernetzen kann. Dennoch war von den ersten Momenten an klar, dass uns alle dieselbe Energie und Lust verbindet, das Leben an der Grenze gemeinsam zu gestalten.

Für mich persönlich war das Treffen zugleich ein erstes tieferes Eintauchen in das Programm. Meine Familie lebt beiderseits der bayerisch-tschechischen Grenze und empfindet beide Regionen als eine gemeinsame Heimat. Die Grenzlinie ist in unserem Alltagsleben praktisch verschwunden – und genau diese Erfahrung ist für mich eine große Motivation, bei der Vernetzung von Menschen, Vereinen und Gemeinden im Grenzgebiet mitzuhelfen. Umso stärker hat es mich beeindruckt, zu sehen, wie viele ähnlich gesinnte Menschen sich im Programm „Ein Jahr an der Grenze“ zusammenfinden.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit, die weiter wächst

Der derzeitige Jahrgang von Enthusiasten nähert sich langsam seinem Ende. Und gerade jetzt zeigt sich, wie sinnvoll ihre Arbeit war. Nach den ersten Monaten, in denen viele grenzüberschreitende Aktivitäten nur langsam in Gang kamen, hat sich die Zusammenarbeit zwischen den Partnern auf beiden Seiten der Grenze heute so weit entwickelt, dass viele Begegnungen und gemeinsame Projekte bereits ganz von selbst weiterlaufen. Es entstehen neue Partnerschaften zwischen Vereinen, Gemeinden, Schulen und Einzelpersonen, die zeigen, dass das Potenzial der Grenzregion wirklich enorm ist.

Der neue Jahrgang steht derzeit noch in den Startlöchern. Die sechs neuen Enthusiastinnen und Enthusiasten haben jedoch schon in den ersten Tagen mit voller Kraft begonnen, die Regionen zu erkunden, Kontakte zu knüpfen und Akteure von beiden Seiten der Grenze miteinander zu verbinden. Das Treffen in Staré Sedliště (Alt Zedlisch) bot uns Gelegenheit, die Erfahrungen unserer Vorgänger zu hören, die bereits monatelang direkt vor Ort tätig waren, und gleichzeitig erste Ideen und Erwartungen für die kommende Zeit auszutauschen.

Einen großen Teil des Programms bildete ein gemeinsamer Workshop, in dem die Teilnehmer ihre Regionen, deren Spezifika wie auch ihre Erfahrungen mit der Organisation deutsch-tschechischer Aktivitäten vorstellten. Es wurde nicht nur offen über Erfolge gesprochen, sondern auch über die Hürden, die die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit sich bringt – von Sprachbarrieren bis hin zu unterschiedlichen Organisations- oder Kommunikationsweisen. Gerade diese Offenheit schuf jedoch eine Atmosphäre der gegenseitigen Unterstützung und Inspiration.

Austausch, Teamgeist und neue Ideen für die Grenzregion

Teil des Treffens war auch ein organisatorisches Treffen mit Martin Hudec und Stefan Gehrke vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Am zweiten Tag folgten Präsentationen der derzeitigen Enthusiasten über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Daran nahmen auch die beiden Geschäftsführer des Fonds, Susanne Sehlbach und Tomáš Jelínek, teil. Es war inspirierend, konkrete Geschichten darüber zu hören, wie aus ersten Kontakten nach und nach langfristige Partnerschaften und neue Freundschaften entstehen.

Da aber eine echte Begegnung nicht nur aus einem Arbeitsteil besteht, umfasste unser Treffen auch gemeinsame Teambuilding-Aktivitäten, so zum Beispiel das Einüben von Kennenlernspielen zum „Eisbrechen“ bei den ersten grenzüberschreitenden Veranstaltungen, ein gemeinsames Zubereiten von Snacks oder eine Wanderung in die umgebende Natur, gekrönt vom abendlichen Beisammensitzen in einer alten, heute als örtliche Kneipe fungierenden Feuerwache. Gerade in diesen informellen Momenten entstanden oft die interessantesten Ideen und Zukunftspläne für die Zusammenarbeit.

Jeder von uns Enthusiasten bringt andere Erfahrungen und Themen in das Programm ein – von Kultur und Sport über Jugendarbeit bis hin zum Gemeindeleben oder der Unterstützung von Vereinen. Dank dieser Heterogenität können sich die Bewohner der Grenzregionen auch im kommenden Jahrgang auf ein vielfältiges Spektrum an Aktivitäten für verschiedene Generationen und Interessengruppen freuen.

Eines haben wir jedoch alle gemeinsam: eine große Lust und Energie, Türen zwischen beiden Seiten der Grenze aufzustoßen. Schon jetzt ist klar, dass uns ein Jahr voller neuer Kontakte, inspirierender Begegnungen und gemeinsamer deutsch-tschechischer Geschichten erwartet.

Petra Kobzík