Die „Nacht der Kirchen“ (Noc kostelů) ist eine traditionelle landesweite Veranstaltung, die einmal jährlich stattfindet. An einem Freitag im Mai öffnen zahlreiche Kirchen ihre Türen und bieten ein abwechslungsreiches Programm mit Gottesdiensten, Vorträgen, Konzerten, Kirchenführungen sowie Angeboten für Kinder an. Da Kirchen in Tschechien außerhalb der Gottesdienstzeiten meist geschlossen sind, erfreut sich diese Veranstaltung großer Beliebtheit.
Ein Blick auf die Karte der „Nacht der Kirchen“ zeigt, dass auch entlang der deutsch-tschechischen Grenze zahlreiche Veranstaltungen stattfinden. Im südlichen Grenzgebiet ist das Angebot bislang jedoch eher begrenzt. Inspiriert wurde ich daher von meinen Kolleginnen und Kollegen aus dem Programm „Ein Jahr an der Grenze“, die stets begeistert von den grenzüberschreitenden Begegnungen im Rahmen dieser Veranstaltung berichteten. Gerade solche Gelegenheiten für deutsch-tschechische Begegnungen zu schaffen und zu fördern, gehört zu unserem Arbeitsalltag.
Aus diesem Grund sprach ich den Pfarrer der Pfarrei Volary, Karel Falář, an und fragte, ob es möglich wäre, die Nacht der Kirchen auch in Volary zu organisieren und dabei bayerische Mitwirkende einzubinden. An den Gesprächen nahmen auch Vertreter der Stadt teil, die die Idee aufgriffen und sich gemeinsam an der Vorbereitung der Veranstaltung beteiligten. Da ich Markus Krell, den Pfarrer aus Tiefenbach, vom Böhmisch-Bayerischen Stammtisch bereits kannte, fragte ich ihn, ob er Interesse hätte, sich ebenfalls zu engagieren. So entstand der erste grenzüberschreitende Kontakt.
Deutsch-Tschechische Begegnung in einer besonderen Atmosphäre
Der 18. Jahrgang der Nacht der Kirchen fand in diesem Jahr am 29. Mai 2026 statt. Auch die St.-Katharina-Kirche in Volary beteiligte sich daran. Die Besucherinnen und Besucher erwartete ein abwechslungsreiches Abendprogramm voller Musik, Begegnungen und spiritueller Besinnung, das tschechische und deutsche Gäste miteinander verband.
Das Programm begann um 18 Uhr mit einer gemeinsamen deutsch-tschechischen Marienandacht, die von der Pfarrei Volary in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Pfarrer Markus Krell vorbereitet wurde. Musikalisch begleitet wurde die Andacht von der deutschen Gruppe „Grenzenlos“ aus Ruderting bei Passau, die Markus Krell für eine Mitwirkung gewinnen konnte. Ab 19 Uhr präsentierten Schülerinnen und Schüler der Kunst- und Musikschule Volary ihr Können. Den Abschluss des Abends gestaltete die Akkordeonistin Jitka Baštová mit ihrem Programm „Engelvariationen mit Mozart“.
Die Nacht der Kirchen bot eine einzigartige Gelegenheit, die Kirche in der besonderen Atmosphäre der Abendstunden zu erleben, zur Ruhe zu kommen, der Musik zu lauschen und Menschen von beiden Seiten der Grenze zu begegnen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Kultur, Glaube und persönliche Begegnungen Brücken über Grenzen hinweg bauen können. Zum Abschluss verabschiedeten sich alle Beteiligten mit der Absicht, die erfolgreiche Zusammenarbeit auch im Jahr 2027 fortzusetzen und erneut eine ähnliche zweisprachige Veranstaltung zu organisieren.
Fotos: Jaroslav Pulkrábek, Kultur- und Infozentrum Wallern / Kulturně informační centrum Volary