Grenzkapelle Schönwald, Foto: Stephan Messner, www.skyimages.de

BLOG Nr. 4

Der bestirnte Himmel über mir und die grenzenlose Freundschaft in mir.
frei nach Immanuel Kant

In den letzten zwei Jahren haben wir hier in der sächsisch-böhmischen Grenzregion eine getrennte Nachbarschaft erlebt, aber wir haben uns nicht mit den wie ein dunkler Schatten wieder erschienenen Grenzen abgefunden. In all dieser Zeit hat uns der Anblick des Sternenhimmels, der keine Grenzen kennt und der auf der Erde scheinbar getrennte Welten vereint, Hoffnung und Kraft gegeben. Wenn wir vielleicht doch das berechtigte Gefühl hatten, dass wir in den böhmisch-sächsischen Nachbarschaftsbeziehungen einen Schritt zurückgehen mussten, dann lasst es uns als Herausforderung nehmen, jetzt mindestens zwei Schritte vorwärts zu gehen. Versuchen wir, die begrenzte grenzüberschreitende Nachbarschaft, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, in die grenzenlose Freundschaft der Zukunft zu überführen. Und wo soll man anfangen? Nun, hier, an einem Ort an der – vielleicht bald wieder kaum scheinbaren – Grenze, in einer Region mit dem Arbeitstitel LAUBA!

Woher kommt LAUBA? Es handelt sich um ein grenzüberschreitendes Gebiet am linken Elbufer, das grob durch den Oberlauf des Flusses GottLEUBA auf sächsischer Seite und des EuLAUBAchs (auf Tschechisch Jílovský potok), auf böhmischer Seite begrenzt wird. Was bedeuten die tschechischen Worte (und gleichzeitig auch Germanismen) LOUBÍ oder podLOUBÍ auf Deutsch? Ungefähr so viel wie die deutsche LAUBE und der LAUBEngang, und damit sind wir wieder beim SternenLAUBE, die uns, genauso wie die LAUBE oder der LAUBEngang, imaginär verbindet und uns auch stärkt und vor den Tücken der Zeit schützt. Nur eine starke und widerstandsfähige Freundschaft hier in unserer kleinen LAUBA ist der Weg in die Zukunft eines großen und demokratischen Europas.

VZHŮRU KE HVĚZDÁM / HOCH ZU DEN STERNEN ist der Titel der Fotoausstellung von Stephan Messner, die die Idee widerspiegelt, den Sternenhimmel mit ausgewählten geistlichen Orten auf beiden Seiten der Grenze zu verbinden. Die Idee der Ausstellung, verkörpert durch die Serie von zwanzig Fotografien, ist zwar bereits längst vor dem Start des Programms Ein Jahr an der Grenze geboren worden, aber dieser (sprach)spielerische Text über die „eine“ Landschaft ohne trennende Grenze ist schon als eine Art Reflexion unserer intensiven Debatten über den Sinn und das Ziel des Programms zu verstehen. ES LEBE LAUBA!

Vernissage: Botschen-Kapell in Libouchec/Königswald, 10. 6. 2022, 18:00 Uhr

Ich lade zu Gesprächen über die vereinten und „entgrenzten“ Regionen entweder direkt während der Ausstellung oder jedes andere Mal herzlichst ein!

Jan Kvapil